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Mir reicht’s – Ich lösche mal meinen Facebook Account

So, meine Lieben, mir langt‘s! Mit Nestlé teilt sich Facebook schon länger den ersten Platz auf meiner Rangliste der „most evil companies ever“. Und das nicht ohne Grund. Wenn man liest, was tatsächlich an Daten von Facebook gesammelt und natürlich auch ausgewertet wird, kann es einem schon eiskalt den Rücken hinunter laufen.
​Nachdem sie erst letztens wieder bestätigt haben, dass sie im Browser auf dem Desktop sämtliche Mausbewegungen, installierte Erweiterungen und Infos über das verwendete OS mittracken (das geht ja vielleicht noch) und die Mobile-App auf dem Smartphone sowohl Telefonate, SMS und den GPS Verlauf protokolliert (sorry, das geht gar nicht), werde ich meinen Account demnächst komplett löschen. Und den Recherchen von heise.de und Buzzfeed nach zu urteilen, sind das noch längst nicht alle Daten die Facebook sammelt. Ob FB übrigens wirklich die Daten meines Accounts löscht, nur weil ich beschlossen habe, mich abzumelden, bleibt wohl deren Geheimnis. Nach allen anderen Meldungen bin ich auch da eher skeptisch.

Jetzt könnte man natürlich arguementieren, dass man ja nichts zu verbergen hat. Das mag auf euch zutreffen, auf mich aber nicht. Ich habe etwas zu verbergen. Es geht niemanden etwas an, wo ich bin, wie ich bin, mit wem ich telefoniere und wem ich welche SMS oder sonstige Nachrichten schreibe.

Und es sind ja nicht nur die Daten für sich genommen. Aus diesen lassen sich ja viel mehr Informationen ableiten, als uns lieb ist. Browser-Coockies für das Tracking der Seiten, die ich ansurfe? Ein alter Hut! Aus der Kombination meiner characteristischen Mausbewegungen in Zusammenhang mit meiner Windows/Mac-Version und den Extensions, die ich installiert habe, lässt sich doch genausogut ein Profil erstellen, dass man wiedererkennen kann. Und mit den Daten auf dem Smartphone weiß Facebook (und natürlich deren Werbepartner) nicht nur, welche Pizza ich bei welchem Italiener am liebsten esse, weil ich das sowieso poste, sondern auch welchen Arzt ich wie oft besuche, welche Autowerkstatt ich präferiere und vielleicht auch, wie oft ich wo zu schnell fahre. Anrufliste und GPS Daten sei dank.

Und ja, auch andere Firmen speichern zumindest einen Teil dieser Infos ebenfalls. Die Telekom weiß, wen ich anrufe und Apple hat so einiges an Daten über mich und weiß wann ich wohin fahre. ABER: Ich bin vielleicht paranoid, aber kein Extremist! Ich ziehe nur eine Linie zwischen den Einträgen auf meiner Rangliste der „most evil companies“. Und die führt Facebook bei den „Datensammlern“ aber mit ganz weitem Abstand an. Danach folgen dann Google, Amazon, Microsoft und Apple auf den Plätzen 2 bis 5. Und meine Grenze verläuft aktuell zwischen Google und Amazon. Facebook und Google leben davon, meine Daten tausenden anderer Firmen in „angeblich anonymisierten“ Profilen zur Verfügung zu stellen, um mir „für mich relevante Werbung“ anzuzeigen. Leider verkaufen Sie die Daten aber auch – und scheinbar gar nicht so anonym, wie angenommen – an Firmen wie Cambridge Analytica, Huawei und noch ein paar anderen. Und das in manche Länder, in denen man unter gar keinen Umständen so genau durchleuchtet werden möchte. Amazon verwendet den Kram, soweit bekannt, hauptsächlich für eigene Werbung (okay… keine Ahnung, was mit diesem Alexa-zeug ist und wer da was an Infos hat. So ein Ding kommt mir auch nicht ins Haus!). Aber ich kauf halt gern dort ein. Leider bietet kein anderes Unternehmen einen so reibungslosen und unkomplizierten Service an. Und MS und Apple haben es nicht nötig die Daten für was anderes, als ihre eigenen Dienste zu verwenden. Zumindest Apple vertraue ich dabei noch am meisten, auch wenn MMW schon in den 80ern zu recht konstatierte: „Garantien gibt dir keiner“.

Nachdem ich Google schon vor längerer Zeit den Rücken gekehrt habe (ja, ich weiß, dass YouTube auch Google ist und ich werde in Zukunft bestimmt trotzdem irgendwann mal wieder ein oder zwei kleine Videos veröffentlichen. Siehe oben: Extremist und so) und selbst die Google Search nur in seltenen Ausnahmefällen nutze, ist jetzt Facebook dran. Lange überfällig, wenn ihr mich fragt. Ob ich das ganze dann auch auf Instagram und WhatsApp ausdehne kann ich noch nicht sagen. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass ich auch dort meine Accounts über kurz oder lang kündige. Schließlich gehören sowohl Instagram, wie auch WhatsApp ebenfalls zu Facebook. Und es ist mir schon lange ein Dorn im Auge, dass meine Telefonnummer an jeden weitergegeben wird, der in irgendeinem eurer Telefonbücher steht, in denen ich auch vertreten bin. Das ihr da nichts dafür könnt, weiß ich. So funktioniert WhatsApp eben. Eigentlich wollte ich immer gern gefragt werden, ob jemand meine Telefonnummer an jemand anderen weiter geben darf. Heute ist diese Frage leider obsolet, weil man es eh nicht verhindern kann. Aber die Firma, die so großzügig mit meinen Daten umgeht, muss ich ja nicht auch noch unterstützen, finde ich. Also rechnet mal damit, dass ich auch auf WhatsApp nicht mehr sehr lange zugegen sein werde. Und schließlich gibt es genug Alternativen. Threema (WP-Artikel), Signal (WP-Artikel) und der Keybase-Messenger (WP-Artikel (EN)) sind nur drei, die hier mal kurz nenne. Und natürlich haben auch diese alle Vor- und auch Nachteile.

Da ich auf Facebook eh nicht so arg aktiv war, dürfte das für niemanden ein Problem sein. Und auf einem meiner Lieblingsdienste bin ich auch ziemlich gut zu erreichen: Twitter! Ich mag Twitter und hoffe, es noch lange nutzen zu können. Wer mir dort folgen mag, findet mich unter meinem Profil @Geiststreicher. Ich würde mich freuen, euch dort wieder zu sehen. Twitter ist zwar auch kein Lämmchen, aber es lässt sich recht gut dort leben. Größere Datenpannen sind bisher nicht bekannt geworden und so fürchterlich viele Infos möchte Twitter von einem auch gar nicht.

Um ein paar Facebook-Kontakte tut es mir natürlich schon leid. Aber meine Telefonnummer empfängt im Zweifel SMS und iMessages. Ach… Und das gute, alte Email gibt es ja auch noch.

Wir sehen uns also… Facebook ist nicht der einzige Kommunikationskanal der Welt, aber sicher einer der gefährlichsten.

{ 3 Kommentare… add one }
  • John 3. Juli 2018, 07:57

    Finde deine Entscheidung gut. Kein Mensch braucht FB wirklich. Ich selbst bin seit über einem halben Jahr nicht mehr da und habe keine Sekunde vermisst.

    Übrigens könntest du dich mal wieder bei Mastodon blicken lassen. 😉

    • Geiststreicher 3. Juli 2018, 08:17

      Nachdem ich keinen Stress mehr mit Facebook habe, könnte ich mir Mastodon tatsächlich mal näher ansehen.
      Aber solange Twitter noch funktioniert, hat es die Konkurrenz natürlich schwer, das muss man klar sagen. „Funktionieren“ heißt für mich in dem Zusammenhang, dass 3rd-Party-Clients soweit unterstützt werden, dass ich keine merkliche Einschränkung habe. Auf die native App möchte ich eigentlich nicht wechseln. Und das nicht mal so sehr wegen der Werbung (auch die darf natürlich nicht überhand nehmen), sondern eher wegen des u.U. nicht linearen Feeds.
      Trotzdem interessieren mich die Vorteile von Mastodon und ich hoffe, dass viele von Twitter zu Mastodon wechseln, wenn die Daumenschrauben weiter angezogen, sprich: die API weiter zu gemacht wird.

  • John 3. Juli 2018, 10:18

    Na ja, man muss Mastodon nicht unbedingt als Konkurrenz sehen. Es sind ja bereits einige von Twitter zu Mastodon gewechselt aber nicht immer die die man kennt und gerade das ist doch das interessante. Neue Leute und vor allem eine ganz andere Atmosphäre. 😉
    Seitdem ich da unterwegs bin hat sich meine Nutzung von Twitter stark reduziert und für mich ist das gut so. Fühle mich dort einfach wohler.

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