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Was Fritzchen nicht lernt… Fritz, Freetz und die Domain

Freetz - Logo

Ich hatte es im Artikel zu Fever bereits angedeutet: Ich brauche eine wohlgeformte, sprich, eine den Notationsregeln entsprechende Domain, um die Lizenz für Fever überhaupt registrieren zu können. Leider stellen die Fritzboxen der Firma AVM keine Einstellmöglichkeiten für die interne Domäne bereit.

Der Stein des Anstoßes – Fever

Warum und weshalb ich gerade Fever als meine RSS-Lösung einsetze und auch weiter einsetzen möchte, darf der geneigte Leser im oben angegebenen Artikel nachlesen und natürlich auch gerne im OpenDev/Audio Podcast „ODA007 – Der fiebrige Leser wird gefüttert“ nachhören. Nur soviel: Fever ist ein in PHP geschriebener selfhosted Webservice, der ähnlich wie z.B. WordPress, auf einem Server aufgesetzt und selbst betrieben werden muss.

Die Lizenz, die man erwerben darf wird auf eine bestimmte Domain registriert. Diese kann man im Nachhinein natürlich jederzeit ändern.

Mein Setup

Paranoid wie ich hin und wieder bin – oder es war der bastelfreudige Geek in mir -, möchte ich Fever nicht bei meinem Webhoster, also quasi im Internet aufsetzen. Was ich lese, wann ich lese und wo ich lese geht im Zweifel nur mich etwas an, auch wenn es sicher keine hochbrisanten, oder geheimen Informationen sind.

Trotzdem war der Plan, die PHP-Applikation auf meinem sowieso bestehenden, eigenen kleinen Server im Büro zu betreiben. Dieser Server ist ein kleines, recht sparsames, Asus Eee-Top mit Atom-Prozessor. Als System läuft ein Debian Linux. Also eine typische LAMP-Umgebung. Technisch völlig unproblematisch für den Betrieb einer solchen Applikation.

Als Knotenpunkt im Netz betreibe ich, wie viele andere auch, eine Fritzbox – hier noch das Modell 7240. Diese dient als DSL-Modem, Router, Switch, DNS und DHCP-Server, versorgt also alle Geräte mit Netzwerk und allen benötigten Adressen. Der Linux-Server bekommt als einzige Ausnahme eine feste IP-Adresse zugeordnet. Dies spielt hier aber keine Rolle.

Zugreifende Clients sind sowohl alle Rechner, die per Webbrowser auf Fever zugreifen, aber auch diverse iDevices mit Apps wie Ashes und/oder Mr. Reader (Kann man auch im Fever-Artikel bestaunen).

Das Problem

Alles lief gut. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als ich Fever erwerben, also auch registrieren wollte. Dazu muss man nämlich die Domain angeben, unter der Fever laufen soll. Kein Problem, dachte ich. Die Fritzbox hat ja eine Domain, die sie im Netzwerk published, nämlich „fritz.box“. Der volle Name meines Rechners lautet damit server.fritz.box. Also „fritz.box“ beim Registrierdialog eingetippt und… Fehler! „fritz.box“ ist keine gültige Domain! Stimmt natürlich. „box“ gibt es nicht als TLD.

Freetz - Fever Registrierung

Wie bereist oben erwähnt bietet die Fritzbox leider keinerlei einstellmöglichkeiten für die vergebene Domain. Ohne Tricks wäre das betreiben von Fever auf meinem kleinen Server also zum Scheitern verurteilt.

Lösungsansätze

Es gäbe jetzt mehrere mögliche Lösungsansätze:

  1. Ich könnte meinen eigenen, von der Fritzbox unabhängigen, DNS und DHCP Server aufsetzen.
    Die beiden Dienste könnten ebenfalls auf dem Linuxrechner mitlaufen und die Aufgabe übernehmen. Das war mir aber zu lästig und eigentlich verrichtet die Fritzbox diese Dienste gut und unauffällig.
  2. Durch händisches Eingreifen in die Konfigurationsdateien der Fritzbox könnte man die Domain vielleicht ändern.
    Dazu muss man sich per Telnet und/oder SSH Zugang zur Console der Box verschaffen und herausfinden, wie und wo sich die Domain umstellen lässt. Ich bin dieser Idee nicht weiter nachgegangen, kann also nicht sagen, was genau man an welcher Stelle drehen müsste.
  3. Man besorgt sich eine alternative Firmware für die Fritzbox.
    Wie ich lernen durfte gibt es nicht nur Alternativen wie OpenWRT, das eh auf kaum einer Fritzbox läuft. Es gibt auch die Möglichkeit eine Firmware-Erweiterung quasi parallel zur Original-Firmware zu installieren. Hier kommt Freetz ins Spiel, die wohl bekannteste Modifikation für Fritzboxen.

Lösung

Laut Freetz Homepage ist Freetz „eine Firmware-Erweiterung und Modifikation für ​Fritz!Box Router und kompatible Geräte. Die Original-Firmware des Herstellers wird um zusätzliche Funktionen erweitert und mit einer individuellen Zusammenstellung von Programmen ergänzt.“

Ich möchte hier nicht auf den kompletten Vorgang des Erstellens von Freetz/der Firmware eingehen. Das ganze ist sehr gut auf der Homepage beschrieben. Für die aktuelle V2.x verwendet man eine Kombination dieser Site: Freetz Installation unter Windows und Linux und dieser Site: Freetz Installation – Erste Schritte mit Freetz. Sowohl die notwendingen Vorbereitungen, die benötigten Voraussetzungen und das Bauen der Firmware aus den Sourcen ist hier sehr gut beschrieben.

Ich habe zum Minimalsystem nur das Paket dnsmasq zusätzlich gewählt, dass die von mir benötigten Funktionen für den DNS- und DHCP-Server bereit stellt.

Ist alles nach Plan verlaufen, kann man sich auf seiner Fritzbox unter http://fritz.box wie gewohnt auf der „normalen“ Admin-Oberfläche anmelden und zusätzlich unter http://fritz.box:81 an der Freetz-Administration.

Es gilt nun, in der Standardoberfläche den DHCP-Server abzuschalten und diesen durch den von Freetz zur Verfügung gestellten Dnsmasq-Modul zu ersetzen. In der Freetz Oberfläche ist es dann auch möglich eine selbst definierte Domain für das lokale Netzwerk vorzugeben. Genau das wollte ich ja erreichen.

Freetz - Fritzbox DHCP Einstellungen Freetz - Dnsmasq Einstellungen

Anschließend muss die Fritzbox neu gestartet werden, damit der Dnsmasq den DHCP Service übernehmen kann. Bis alle Geräte im Netz den Wechsel der Domain mitbekommen, kann es ebenfalls noch etwas dauern. Ggf. kann man die zickigen Devices aber auch neu starten.

Et voilà – Das gesamte Heimnetz hat eine neue Domain, für die dann auch Fever registriert werden kann.

Fazit

Es ist zugegebenermaßen etwas Umständlich für einen einzelnen Dienst die Fritzbox zu modden und Freetz zu installieren. Schaut man sich aber an, was Freetz sonst noch alles bietet – z.B. gibt es auch ein OpenVPN Package – lohnt der Aufwand.

Bei mir läuft Freetz seit einige Wochen ohne Probleme auf meiner Fritzbox 7240. Negative Auswirkungen konnte ich keine Festellen. Trotzdem sollten natürlich alle Sicherheitsmaßnahmen ergriffen und alle Backups gemacht werden!

Für leidlich mit Linux Vertraute sollte auch die gut beschriebene Installation kein Problem darstellen. Wie immer gilt: Wer lesen kann – speziell Freetz.org – ist klar im Vorteil.

Habt ihr eure Fritzbox, Netgear-, Linksys-Router, etc. durch alternative Firmware erweitert? Und wenn ja, warum denn?

{ 5 Kommentare… add one }
  • nico 25. Juli 2013, 13:59

    Benötigt Fever die Domain nur zum Einspielen der Lizenz? Theoretisch sollte das ja auch ohne Modifikation der FB gehen, indem du im Host auf Statische IP und DNS Einstellungen aktivierst, und dort dann eine richtige Domain einträgst (z.B. fever.home.geiststreicher.org) und die dann entweder in der lokalen /etc/hosts oder im DNS zu deiner Domain hier hinterlegst (zur not mit der internen IP des Servers). Das sollte eigentlich aufs gleiche rauskommen.
    Ich will dich damit aber nicht von Freetz wegbringen, was ich auch schon seit einigen Jahren im Einsatz hab um den DHCP Server angenehmer zu Verwalten und mehr Benachrichtigungen (z.b. im callmonitor) zu haben 🙂

    • Geiststreicher 25. Juli 2013, 14:19

      Ich vermute, dass Fever die Domain nach der Registrierung egal ist. Sie geht halt in die Generierung der „Compatibility confirmation“ Nummer ein. Zu dem Zeitpunkt muss der Host also zwingend so heißen.
      Natürlich wäre dein Weg auch möglich; darauf bin ich aber gar nicht gekommen 😉 Und ich hätte dann einen Rechner im Netz, der unter einer andere Domain läuft, als der Rest und ich muss der Fritzbox beibringen, wie er zu erreichen ist.
      Sauberer – abgesehen vom Modding der Box – ist es, wenn das Netzwerk homogen bleibt. Und Freetz ist ja ziemlich stabil, stellt also nur ein geringes Risiko dar. Die von dir genannten Vorteile kommen dann noch dazu 🙂

  • Toredo 13. Januar 2015, 02:45

    Lol. Was für ein Stück Abfallsoftware. Das würd ich dem Hersteller um die Ohren hauen.

    • sepp 3. Januar 2016, 16:19

      offensichtlich hast du noch nie was mit software zu tun gehabt, die netzwerkdienste zur verfügung stellt.
      es ist gängige praxis, den lizensschlüssel an eine ID zu binden. das kann neben der MAC adresse halt auch der domain name sein.
      erst nachdenken, dann dicke backen machen…

  • Marfm 27. März 2015, 19:34

    Sehr geil beschrieben.
    Aktuell bin ich am überlegen mir Freetz nachzurüsten da ich einige Clients mit PXE booten möchte.
    Finde allerdings die integrierte PXE Funktion meiner Synology NAS freundlicher was wiederum nur mit dem eigenen DHCP funktioniert. Kenne mich noch nicht wirklich mit Routingtabellen aus und dachte das es so evtl. schneller gehen könnte. Mal schauen was ich in den nächsten Tagen noch so über Freetz lese. Vielleicht ändert sich meine Meinung noch und die Installation wird fällig.

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