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Meinung: Gleiches Netz für Alle! Für Alles! #Drosselkom

#Drosselkom

Nach langem Zögern möchte ich jetzt doch ein paar Zeilen zum Thema Netzneutraliät, #Drosselkom und Trafic-Limits schreiben. Nicht zuletzt, weil mich die letzte Mobilemacs-Folge 109 „Pie Malum Domine Dona Nobis Requiem“ auf weitere Gedanken gebracht hat und weil ich finde, dass das Thema weiter hoch gehalten werden muss; nicht nur für die böse Telekom, sondern auch für viele andere Anbieter.

Viel wurde in letzter Zeit in der Blogosphäre und in den zentralen social Networks wie Twitter, Facebook und App.net über die #Drosselkom geschrieben, diskutiert und geschimpft. Zum Glück. Ich behaupte, dass das große Echo der vielen Einzelnen dazu geführt hat, dass auch die Presse und Fernsehsender das Thema in den Nachrichten und anderen Sendungen aufgegriffen und erwähnt haben. So sollte ein breite Masse zumindest mitbekommen haben, dass etwas im Busch ist. Und wer sich leidlich interessiert, kennt auch die zwei zentralen Punkte, um die es im Moment geht:

  1. Das im DLS-Vertrag inkludierte Full-Speed-Datenvolumen soll, wie bereits im Mobilfunk lange Zeit gang und gäbe, beschränkt werden. Je nach Vertrag bis zu einem Minimum von 75GB/Monat. Danach wird gedrosselt. Und zwar auf 384kBit/s.
  2. Unter Vorschub des sog. „Next Generation Network“ greift die Telekom die Netzneutralität an. So soll zum Beispiel der eigene Dienst „Entertain“ nicht auf das genutzte Datenvolumen angerechnet werden, da es sich „nicht um einen Internetdienst“ handelt.

Die Drossel

Eigentlich kann man es kaum besser beschreiben, als es in MobileMacs und dem daraus resultierenden Song getan wird: Eine Drosselung der Bandbreite auf minimale 384kBit/s kann man nur als „Funktional kaputt“ bezeichnen.


Den Song gibt es übrigens auf iTunes zu kaufen. Eine gute Tat, die ich jedem empfehlen kann. Denn ist der Song in den Charts, lebt das Thema auch dort weiter.


Findige Internetzler haben kurz mal geprüft, dass die Startseite der Telekom mit dieser Geschwindigkeit im Schnitt 2 Minuten braucht, bis sie komplett, mit allen multimedialen Inhalten, geladen ist. Was das für andere, essentielle Dienste, bedeutet, mag jeder selbst beurteilen.

Preis

Eins muss man aber auch festhalten: Die Telekom dürfte natürlich, wie jedes andere Unternehmen auch, die Preise für ihre Leistungen festsetzen, wie sie mag, wäre da nicht ein Problem: Es gibt quasi keine, oder nur sehr wenig Konkurrenz.

Zum Beispiel kann ich nicht einfach zu einem Kabelnetzbetreiber wechseln, da ich in einem Mietshaus ohne Anbindung an das Kabelnetz wohne. Anbieter, die auf die Kupferleitung setzen, sind wiederum – fast alle, fast überall – gezwungen, mindestens die „letzte Meile“, also den Anschluss, der ins Haus führt, von der Telekom zu mieten. Damit befinden sie sich in dem Dilemma, ebenfalls die Preise zahlen zu müssen, die die Telekom fest setzt, wenn auch bereits hier und da durch die Regulierungsbehörde gefiltert.

Handelt es sich also um ein Quasimonopol? Meiner Meinung nach ist die Markmacht der Telekom so groß, dass man diese Frage mit ‚Ja‘ beantworten muss. Ist die Preisgestaltung also nicht durch den Markt regulierbar, kann das nur bedeuten, dass die Bundesregierung regulatorisch eingreifen muss, um die Informations-Infrastruktur zu sichern.

Leistung

Ist die Drosselung der Bandbreite nach einem bestimmten Datenvolumen verwerflich? Dazu ein klares ‚Jein‘. Wäre es, wie die Telekom behauptet, zu „eng“ auf den Leitungen und die Netzauslastung kurz vor ihren Kapazitätsgrenzen, könnte man sicher über eine Begrenzung irgendeiner Art reden. Auch andere Provider begrenzen Datentraffic. Zum Beispiel drosselt ein Kabelnetzbetreiber nach der Übertragung von 60GB am Tag den P2P-Datenverkehr auf 100kBit/s. Diese Drossel gilt aber nur für den Rest diesen Tages und nur für diese Art der Übertragung. Ich meine aber, dass eine Beschränkung auf 1MBit auch gereicht hätte.

Dazu kommt, dass u.A. der Routerhersteller Viprinet dargelegt hat, dass das Backbone eben nicht an seinen Grenzen ist und eine Drosselung technisch gar nicht notwendig wäre.

Netzausbau

Bleibt also die Argumentation übrig, dass die Telekom sehr viel Geld in den künftigen Netzausbau investieren muss. Und da sei es doch ungerechet, dass die 97% „Normaluser“ genauso viel Zahlen sollen, wie die von der Telekom kolportierten 3% der Poweruser. Schließlich wolle man die Preise für den Großteil der Nutzer so stabil wie möglich halten.

Dazu hat MobileGeeks die „Milchmädchenrechnung“ der Telekom aufgegriffen und mal ebenso simpel gegen gerechnet. Demnach würden die Preise für alle Kunden um 60ct steigen, würde man auf die akutell im Raum stehenden 10-20€/Monat für Poweruser auf alle umlegen. No further comment.

Netzneutralität

Kommen wir zum – IMHO – viel interessanteren Punkt der Netzneutralität.


Kurze Begriffserklärung: Unter Netzneutralität versteht man vereinfacht, dass Datenverkehr im Internet, unabhängig von seinem Zweck, nach dem „best effort“-Prinzip, abgewickelt wird. Also egal, ob Sprache, TV oder simple Webseiten. Es wird alles so gut und schnell wie möglich durch die Leitung geschubst.


In diesem Zusammehang ist die Telekom bei weitem nicht der erst und einzige Anbieter, der versucht, die Netzneutralität des IP-basierten Internet zu untergraben, aber im Moment sicher das prominenteste.

Denn interessanterweise wird der hauseigenen Internet-TV-Dienst (IPTV) „Entertain“ nicht auf den Datenverkehr angerechnet, belastet also das „Freikontingent“ der 75GB/Monat nicht. Die Telekom begründet dies damit, dass „Entertain“ kein normaler Internet-Dienst sei, sondern ein sog. „Managed Service“, der von den Kunden extra bezahlt wird, und für den die Telekom die Qualität garantiere.

Für mich heißt das: Als Telekom-Kunde mit Entertain bin ich fein raus. Ich habe ein Leitung aus 1. Hand und kann Fernsehen, ohne mir Gedanken um den Datenverbrauch machen zu müssen.

Was aber, wenn ich zwar die Leitung der Telekom möchte, um diese – durchaus meist gute Leistung des Unternehmens – aus erster Hand zu beziehen, mein (IP)TV-Programm aber von einem anderen Anbieter? Und meine Sprachtelefonie von einem weiteren Dritten? Dafür zahle ich als Kunde auch extra! Bekomme ich deshalb auf den Leitungen die gleichen Rechte, wie ein Telekom-Kunde mit Entertain? Nein! Und das, obwohl es für mich als Kunde keinen Unterschied macht. Ich habe von je einem Anbieter meinen Internet-Zugang und mein IPTV-Angebot erworben. Das einmal der Anbieter der gleiche für beide Leistungen ist, und einmal nicht, ist doch sekundär. Als Kunde erwarte ich in beiden Fällen, dass ich Surfen UND Fernsehen kann. Und nicht, dass, nur weil ich Surfe, mein TV-Programm plötzlich nur noch mit 2 Bildern die Minute durch die Leitung tröpfelt, weil der Anbieter zu klein ist, um ebenfalls Geld an die Telekom zu zahlen.

Ich komme noch mal kurz auf die Mobilemacs Folge zurück, die ich bereits erwähnt habe. Dort heißt es, Entertain ist nur „versehentlich“ auf dem selben Kabel mit drauf, genau wie auf Kabel Deutschlands Kabeln – die ja auch drosseln – versehentlich noch Fernsehen mit drauf ist“ (MM109).

Das ist sicher richtig. Genauso richtig empfinde ich es, wie im weitere Verlauf auch anklingt, dass man an dieser Stelle nicht die Telekom alleine als den Buhmann hin stellt. Tatsächlich drosseln auch andere Anbieter und tatsächlich wird auch bei Kabel Deutschland der Datenverkehr für Kabelfernsehen wohl nicht auf irgendein Volumen angerechnet. (Ja, ich weiß, dass es sich bei Kabelfernsehen NICHT um IP-Traffic handelt, sondern nach dem Standard DVB-C übertragen wird. In der Sache ist dies aber eigentlich egal).

Und ja, man hätte bereits viel früher etwas gegen die Verletzung von Netzneutralität unternehmen müssen. Und ja, man muss hier auch alle Anbieter über einen Kamm scheren. Nicht nur bei der Telekom sind manche Dienste gleicher, als andere.

Fazit

Betrachtet man die Argumentation der Telekom, kann man eigentlich nur einen Schluss ziehen: Letztlich geht es – wie immer – um das liebe Geld. Und so ganz ungeschickt macht die Telekom das ja nicht. Gedrosselt wird erst ab 2016 (heißt es). Das beruhigt den Ein oder Anderen sicher etwas.
Aber gehen wir jetzt nicht gegen die Weichenstellung an, die die Telekom – und Andere – hier anzulegen versuchen, werden wir in ein paar Jahren ein „Next Generation Network“ haben, dass aus „Managed Services“ besteht. Dann kassiert die Telekom doppelt. Vom Kunden für die bereitstellung der Datenleitung und vom Anbieter für die diskriminierungsfreie bereitstellung der Datenleitung, damit der Dienst auch ohne Einschränkungen durch das Netz geht.

Das große Geschäfft macht dann wer? Genau! Der Anbieter, der sowohl Infrastruktur hat, wie auch Dienste. Dann zahlt er nämlich nur an sich selbst, bzw. bietet beides im Bundle an. Damit ist für den Kunden die Entscheidung – in finanzieller Hinsicht – leicht. Bei der Telekom ist das Fernsehen ja im Preis schon drin. Warum also einen anderen Anbieter wählen und ist er noch so gut? DAS ist das Geschäftmodell, dass die Telekom sich für die nächsten 10 Jahre sichern will, weiß sie doch genau, dass aus 3% Intensivnutzern (hüstel) in kurzer Zeit 60% oder mehr werden können.

Und genau da findet sich das Problem mit der Netzneutralität, gegen das man JETZT vorgehen muss. Nicht nur bei der Telekom, sondern auch bei anderen Anbieter, die ähnlich handeln.

Wie es meiner Meinung nach richtig wäre?

Ganz einfach: Infrasturktur muss unabhängig von den Diensten vermarktet und ggf. auch reguliert werden, wenn der Markt das alleine nicht schafft. Hier ist die Politik gefordert, die sich in unserem Lande bisher leider weigert, Netzneutralität gesetztlich fest zu schreiben, wie es in anderen Ländern, wie z.B. den Niederlanden, bereits geschehen ist. Ich möchte als Kunde selbst entscheiden, von wem ich meine xDSL-Leitung, von wem und wie ich mein TV-Programm / meine Telefonie-Anbindung / mein Radio und Musik-Streaming / meine Games / mein Online-Shop-Portal beziehe. Und dabei möchte ich keine Angst haben müssen, dass ich Morgen nicht mehr Fernsehen kann (oder einen wichtigen Antrag über die INet-Seiten der Verwaltung stellen), weil ich heute ein Backup in die Cloud geschoben habe.

Natürlich greift die Drossel der Telekom – nach eigenen Aussagen – frühestens 2016. Bis dahin sind die Karten möglicherweise neu gemischt. Aber die Grundlagen für ein Internet, dass von Allen – Kunden wie Dienstanbietern – diskriminierungsfrei genutzt werden kann, also wer am Kartenstack sitzt und diese verteilt, legen wir heute.

Die Telekom will das Thema aussitzen? Die anderen Anbieter verhalten sich ruhig und wollen nicht auffallen?

Ich hoffe, dass wir, die wir mit dem Internet groß geworden sind, wir, die die Konsequenzen zumindest einigermaßen Verstehen, das Thema weiter hochhalten können. Dass wir weiter Druck aufbauen können und die großen Medien das Thema weiter im Fokus halten müssen. Wir sollten nicht leiser werden, bis der Druck groß genug ist, dass die Politik reagieren muss. Also los! Lasst uns laut sein!

Auch, wenn schon viel gesagt und geschrieben wurde, interessiert es mich, wie ihr mit dem Thema umgeht. Seht ihr das als normale Entwicklung im Markt? Oder macht euch diese Entwicklung Sorgen?

Links

Hier noch ein paar weitere, völlig willkürlich zusammen gestellt Links zum Thema:

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